Hier bin ich als Kind am Schloss Rantzau
Hier bin ich als Kind am Schloss Rantzau

Wie alles mit dem Verkauf begann

Schloss Rantzau steht zum Verkauf: 50 Zimmer mit Aussicht

 

Das Schloss Rantzau wurde Ende des 16. Jahrhunderts von Heinrich Rantzau erbaut. Nach mehreren baulichen Veränderungen erhielt es 1906 seine jetzige Gestalt. 


Plön - Das ist mal eine besondere Immobilie: Das Schloss Rantzau im Kreis Plön steht zum Verkauf. Wer es betritt, begibt sich auf eine Reise durch die Jahrhunderte.

Seit ein paar Wochen führt man Kaufinteressenten durch das Schloss Rantzau. Und jedes Mal, wenn sie über die Schwelle treten, geschieht etwas Sonderbares. Das Schloss zieht die Besucher hinein in seine Vergangenheit, es überwältigt sie mit seinen Eindrücken. Die meisten sagen, sie hätten das Gefühl gehabt, dass in diesem Haus die Zeit stehengeblieben ist. Sie haben recht und irren doch, denn zugleich gibt es keinen Ort, an dem die Zeit so sehr in Bewegung ist. An dem sie, je nachdem welches der Zimmer man betritt, um Jahrhunderte vor- und zurückschwappt wie die Brandung des Meeres. Ein Gang durch dieses Schloss – eine einzige wilde Zeitreise.

Es war 1964, als Wolf Caspar Graf von Baudissin das Schloss an Hildegard Majerholz und ihren Mann Werner verkaufte. Zuvor war es über vierhundert Jahre Schauplatz für die Geschichten mehrerer Familiendynastien. Hundert Jahre lebten die Bauherren, die Rantzaus, hier, dann die uradelige Familie der Reventlous, und schließlich gehörte das Anwesen etwa 200 Jahre lang den Baudissins. Doch eigentlich begann das Schloss erst mit dem Ehepaar Majerholz neu zu erblühen.

Hildegard Majerholz ist einer feinen Porzellanfigur gleich, klein und zerbrechlich und doch von Größe. Es ist eine innere Größe, eine liebevolle, freundliche Autorität, von der die 82-Jährige umgeben ist. Die vielen Lebensjahre haben ihren Gang gebückt und langsam werden lassen. Und sie sind es auch, die die Witwe nun zum Verkauf zwingen.

Als sie und ihr Mann das Schloss kauften, hatte es seine Geschichte fast verloren. „Von der Wetterfahne bis hinein in die Sickergrube gab es kaum etwas, was noch heil war, ein Steinhaufen mit Tarnfarbe an den Wänden“, erinnert sie sich. Eigentlich wollte das Ehepaar hier ein Künstlerzentrum errichten, doch die Künstler, selber arm, konnten nur in Bildern zahlen. Das Ehepaar, welches das Schloss nur mit den eigenen Händen wieder herrichtete, brauchte aber Geld. „So haben wir ein Hotel und Restaurant aufgemacht“, erzählt sie. Als es in den 70er Jahren „still um das Schlosshotel wurde“, eröffnete das Ehepaar einen Antiquitätenhandel. Werner Majerholz-Petersen kaufte, was er kriegen konnte – die Spuren ziehen sich heute noch durch das ganze Haus.

Es ist das Ergebnis dieses Hotelbetriebs und der Sammelleidenschaft, was das Schloss heute so einzigartig macht. Es erlaubt den Sprung durch die Jahrhunderte, der in diesem Gebäude manchmal nur einen Schritt ausmacht. Bestaunt man eben noch im „Blauen Saal“ die fein restaurierten barocken Stühle aus dem Jahr 1740, stellt sich vor, wie die Adeligen darauf vor dem riesigen Kamin gesessen haben, schlittert man nebenan mitten hinein in die Vision einer Party aus den wilden 1960ern – in der ehemaligen Hotelbar stehen noch die Aschenbecher und Kerzen auf den Tischen. Hinter dem Tresen warten angestaubte, noch halbvolle Flaschen mit Cognac oder Wodka und ein alter Plattenspieler „Stereo de luxe“ seit Jahrzehnten auf Barbesucher.

Doch der einzige Gast ist eine Schaufensterpuppe, die am Ende des langen Tresens auf einem schweren Barhocker aus Leder sitzt und eine endlose stille Party feiert. Dabei wunderte man sich nicht, wenn plötzlich ein Barkeeper auftauchen und einen nach seiner Bestellung fragen würde. „Oh ja, große Gesellschaften haben wir hier gehabt“, erinnert sich die alte Dame, und es scheint, als spiegelten sich die Ereignisse, die bald ein halbes Jahrhundert zurückliegen, in ihren Augen. Große Busse auf Kaffeefahrt, reiche Gäste aus der ganzen Welt, die im Bentley mit Chauffeur oder sogar mit dem eigenen Flugzeug angereist sind. Sie trinken und tanzen auf Socken über das historische Parkett. Frau Majerholz, noch jung und kraftvoll, kocht und backt in der großen Schlossküche im Keller, ihr Mann kümmert sich oben um die Gäste.

Überall finden sich diese Zeitensprünge und Erinnerungen: Oben im Schloss sind die Hotelzimmer, eingerichtet im Stil der 1960er, mit gehäkelten Decken oder orangefarbenen Lampenschirmen. Irgendwann vor über 30 Jahren hat hier jemand ein letztes Mal aufgeräumt, danach hat scheinbar niemand mehr die Räume betreten. Und während die Gedanken noch in dieser Zeit verweilen, wirbelt es einen plötzlich ein paar Jahrhunderte zurück – im Souterrain findet sich noch die alte Kerkertür, die seit dem Bau des Schlosses 1593 überdauert hat.

Dieses Schloss ist ein besonderer Ort, bleiben wird er es wohl nicht. Denn die meisten bisherigen Interessenten haben ein wirtschaftliches Interesse. Aus dem Schloss, das rund 700 000 Euro kosten soll, könnte ein Seniorenheim oder ein repräsentativer Firmensitz werden. Das Interieur, das die Magie des Schlosses ausmacht, wird diesen Umbruch wahrscheinlich nicht überstehen. Vielleicht fällt Hildegard Majerholz die Trennung von ihrem geliebten Heim auch deshalb so schwer. Jahrelang lebte sie hier allein, glücklich, selbst Bestandteil ihres eigenen Museums, jetzt erlaubt ihr Körper das nicht mehr. Mittlerweile hat ihr Sohn sich ein Zimmer im Schloss eingerichtet, um sie zu unterstützen. „Eigentlich“, sagt sie und blickt verträumt umher, „wäre ich gern geblieben, ich hätte mir gewünscht, irgendwann in diesem Schloss endgültig in die Knie zu gehen.“

Hildegard Majerholz hofft trotzdem, bald einen Käufer zu finden, sie hofft auch, dass er sympathisch ist, damit es nicht „so weh tut“. Obwohl man weiß, dass es der richtige Weg ist, dass die Zeit eben weiterfließen muss, wünschte man sich, dass die alte Dame einem noch viele Jahre die alte Flügeltür öffnen und Einlass in ihr wundersames Panoptikum der Jahrhunderte gewähren würde. Sollte die Zeit doch stehenbleiben können, es wäre jetzt ein guter Moment. 

Leider musste ich alle anderen Artikel auf Anforderung einer Person von meiner Seite löschen, aber ich höre mich weiter um, ob es etwas neues gibt und man kann es dann hier erfahren. Ich werde aber keine Namen nennen, damit es nicht wieder Probleme und Ärger gibt.

 

 

Stand 25.05.2012

An Alle Interessierten

Ein großes Hallo an alle,

vielen Dank für Euer großes Interesse das Schloss Rantzau betreffend. Leider weiß ich nichts Neues über das Schloss und deren Besitzer / Besitzerin. Auch weiß ich nicht was mit der Vorbesitzerin Frau Majerholz ist. Ich kann also niemandem etwas erzählen, was ich nicht aus den Medien habe. Und das werde ich hier mitteilen.

Ich war schon länger nicht in der Nähe des Anwesens. Mal sehen wann ich es schaffe und dann werde ich mal wieder etwas berichten oder Bilder zeigen.

Stand 26.01.2016

Kommentar schreiben

Kommentare: 14
  • #1

    Sonja Schneider (Freitag, 13 August 2010 06:40)

    Ich bin entsetzt und sehr trautig zugleich. Das Schloss war von innen wie ein Märchenschloss und ich kann die Unwissenheit nicht verstehen.

  • #2

    Sonja (Sonntag, 28 April 2013 20:22)

    bin entsetzt und traurig, meine Grosseltern und meine Mutter wuchsen neben Schloss Rantzau auf. Grossvater war Heinrich Schütt (Kutscher vom Graf Baudissin)

  • #3

    Laura Fischer (Sonntag, 24 November 2013 17:39)

    Ich war letztes Jahr zufällig als Besucherin dort vorbei gekommen und von dem verfallenden Gebäude sehr fasziniert. Durch die Fenster konnte man umher geworfenes Mobilar oder Holzteile, Farbtöpfe etc. sehen. Die Treppe am Eingang war vermoost und glatt. Ich habe dann gegoogelt und die schreckliche Geschichte um das historisch für Schleswig-Holstein doch so wichtige Rantzau-Gebäude erfahren und war total geschockt. Wie konnte es soweit kommen, aber warum unternahmen auch die Rantzau-Erben nichts oder die Reventlows, Baudissins? Das müsste doch Ehrensache sein. Allerdings, vielleicht war es in deren Augen auch vorher schon dermaßen verbaut worden, dass es keiner mehr haben wollte? Ich suche immer nach Zeitungsartikeln online aus der Region, finde aber nichts. Finde ich auch seltsam. Schöne Grüsse und hoffentlich passiert noch was Gutes!

  • #4

    Heike Madaus (Montag, 19 Mai 2014 21:46)

    Mich macht es sehr traurig. Ich kenne das Schloß von klein auf an. Meine Oma und Opa ( Bauer ) lebten im Grafenhaus wo ich als Kind immer in den Ferien war . Jetzt ganz viele Jahre später hab ich gesehen was draus geworden ist. Es ist ein Jammer und ich wünsche mir das es noch gerettet werden kann. Liebe Grüße an alle Ranzauer. Heike

  • #5

    Heinz Johannsen (Sonntag, 29 März 2015 20:47)

    Ich habe ein interessantes Photo von 1945 Kriegsende

  • #6

    pirie (Sonntag, 25 Oktober 2015 17:04)

    bitte rufen Sie mich an.

    0152 028 23783


    E. Peters

  • #7

    Sonja Schneider (Sonntag, 25 Oktober 2015 18:12)

    Hallo E. Peters, da ich Sie nicht kenne, rufe ich auch nicht an, wenn ich nicht weiß worum es geht. Bitte um Kontaktaufnahme über die Homepage. Danke

  • #8

    Lengfeld (Dienstag, 26 Januar 2016 06:42)

    Hallo Frau Schneider, ich war letzte Woche zufällig am Schloss Rantzau und habe mich adhoc verliebt. Der aktuelle Zustand hat mein Interesse geweckt und bei der Recherche über die schöne Immobilie bin ich auf Ihren interessanten, bewegenden Artikel gestoßen. Vielen Dank dafür.
    Gerne würde ich einen Kontakt zu Frau Majerholz erhalten und Sie von meiner Idee überzeugen, wie man das Schloss unter Berücksichtigung des Denkmalschutzes wieder restaurieren, Sie aber auch dort weiter wohnen kann, was ja anscheinend Ihr ausdrücklicher Wunsch ist.
    Falls Sie einen Kontakt haben würde ich mich freuen, wenn Sie mir diesen zur Verfügung stellen können. Ich bedanke mich vorab und wünsche einen schönen Tag in der schönen Norden, wo auch ich aufgewachsen bin.
    Mit besten Grüßen aus dem Rheinland, M. Lengfeld

  • #9

    schnipselfee (Dienstag, 26 Januar 2016 14:12)

    Hallo aus dem hohen Norden in das schöne Rheinland. Leider habe ich keinen Kontakt mehr. Das Schloss ist verkauft worden und was nun draus wird, weiß ich auch nicht. Gruß

  • #10

    Beobachter (Dienstag, 03 Mai 2016 08:03)

    Hallo,
    das Schloss ist nun wieder zu verkaufen.
    Wie man google.de entnehmen kann, muss es wohl mittlerweile in einem desolaten Zustand sein.
    Da wir nicht gleich nebenan wohnen, wäre es schön, wenn jemand vor Ort sich mal ein Bild machen könnte.
    Um was für eine Landwirtschaft handelt es sich eigentlich vor dem Schloss? - siehe Google Maps.
    VG

  • #11

    Besucher (Mittwoch, 04 Mai 2016 13:30)

    Hallo Beobachter,
    ich bin Anfang Mai am Schloss vorbeigefahren und leider wird der Zustand immer schlimmer. Das Dach scheint leck zu sein, Scheiben sind kaputt oder fehlen gänzlich die Fenstersind rott und der Putz ist rissig / durchlässig, bzw. teilweise fehlt er. Soviel zum äußeren Eindruck. Kurzum, wer diese Immobilie erwirbt, nimmt entweder unverhältnismäßig viel Geld in die Hand oder besitzt sehr guten Sachverstand. Das Inserat ist übrigens nicht mehr vorhanden.
    Was allerdings nicht heißt, dass das Herrenhaus einen neuen Besitzer gefunden hat. Anfang des Jahres erschien bereits einmal das Angebot, wurde dann jedoch zurückgezogen.
    Bedenklich finde ich, dass zum inneren Zustand keine Angaben, weder Anfang des Jahres noch jetzt gemacht wurden. Überlegt man, dass das Objekt seit 2010 innen praktisch entkernt mit einer defekten Fassade ungeheizt vor sich hinvegetiert... Nun hoffen wir das Beste.

    Viele Grüße

  • #12

    Beobachter (Freitag, 06 Mai 2016 08:18)

    Hallo Besucher,
    so in etwa habe ich mir das auch vorgestellt, allerdings nicht ganz so schlimm. Hört sich nach einer Kernsanierung inkl. Denkmalschutz an, also (meiner Meinung nach) in der Lage absolut unrentabel, auch unter Liebhaberei.
    Und wieder so eine zukünftige Ruine wie Herrenhaus/Schloss Mallin ...

  • #13

    Bedarf (Dienstag, 30 August 2016 18:06)

    Moin an Alle,

    interessant bleibt, dass hier behauptet wird, Frau Majerholz hätte das Herrenhaus gepflegt, bzw. es erhalten. Ihr Adoptivsohn, Hans Dieter Majerholz-Petersen tat dies auch nicht. Leider.

    Frau Majerholz und Anhang Petersen sind dabei recht gut weggekommen, da nie in die Verantwortung. bzw. Beweisführung gebracht.

    Das bedeutet, dass mit der Besitznahme der Familie Majerholz (inkl.Petersen), der Zerfall
    des Schlosses (Herrenhauses) auch begonnen hat.

    Dabei möchte ich die Hamburger Trottel, die dann alles weitere besorgt haben, gar nicht in den Schutz nehmen.

    So war das - alles andere ist ausgedacht.

    Mit dem Verkauf an die

  • #14

    Monti (Sonntag, 30 Oktober 2016 01:28)

    Ich hab gehört das es ein Hamburger Anwalt gekauft hat. Kennt den einer von euch ??? Wäre mal interessant ...